Reisezeit – Lebenszeit

14500 km, drei Überholungen, 4 1/2 Monate, über 200 Flugstunden, zwei Pannen, eine Verletzung, 23 Tankfüllungen, ungezählte Stunden Fahrzeit, doppelt so viele tolle Begegnungen.

Dune de Pyla - Flug im SonnenuntergangRuhe ist in diesem Blog eingekehrt. Die Reise ist vorbei, unser Leben geht seine Wege. Doch die Erlebnisse unserer Reise hängen nach. In vielen Situationen des Alltags kehren Erinnerungen wieder; man selbst ist manchmal überrascht, welche – bereits vergessen gewähnte – Begebenheit einem wieder in den Sinn kommt. Ich bin zuversichtlich, dass wir auf diese Weise noch lange von unserer Reise zehren können.

David lebt, studiert und fliegt nun in Villach in Österreich. In einer netten WG, die seit einigen Tagen komplett ist, hat er sich eingelebt und studiert nun Mechatronik. Zwar wird jetzt ernsthaft studiert, weshalb er nicht ganz so oft zum Fliegen kommt, trotzdem ist Villach der Wohnort seiner Träume. Mit dem Rad kommt man in 20 Minuten zu Gerlitzen, was will man mehr? Mit Niki, seinem neuen Schirm, trainiert er jetzt so oft es eben geht um im nächsten Jahr, wenn alles klappt, an seinem ersten Wettkampf teilzunehmen.

Ganz so folgenschwer hat sich die Reise bei mir nicht auf den Studienort ausgewirkt.  Was das Fliegen angeht, werde ich mich wohl hauptsächlich mit der Wasserkuppe zufrieden geben müssen. Zum Soaren immer wieder fein. Aber außreichend Höhe, um “mit dem Schirm zu tanzen”, wie es Miguel, unser spanischer Reisegefährte, in seiner letzten Mail treffend formulierte, lässt sich dort selten machen. Mein neues Zuhause ist eine kleine Bude in Gießen, nahe der Lahn. Ausgangspunkt für mein zukünftiges Studentenleben (ja, auch ich fang mal damit an…).

Der Bus ist verkauft. Ja wirklich! Und das ist auch der eigentliche Grund, welcher mich veranlasst, noch einmal in diesen Blog zu schreiben. Ein Stückchen von uns wird am Donnerstag von einem Belgier abgeholt (ich werde das ohne Tränen schaffen!). Dank Ebay gab’s aber nochmal ganz gut Schotter dafür. Rein finanziell wäre es unvernünftig gewesen, den guten Bulli zu behalten. Und das Geld lässt sich wunderbar für den nächsten Fliegerurlaub oder vielleicht die Tandemausbildung verwenden.

Ja, man könnte diesen Beitrag als eine Art “abschließendes Resumee” betrachten. Alles hat sein Ende. Auch unsere Reise. Die viel bessere Nachricht aber ist: Unser Fliegerleben (und möglicherweise -karriere) fängt erst so richtig an. In nächster Zeit wird der Blog erst einmal ruhen. Aber wer weiß, vielleicht wird er ja eines Tages reaktiviert, wenn die nächste Idee (derer es unendlich viele gibt) ihre Umsetzung findet.

Eine gute Zeit & immer gute Landungen wünschen wir euch!

Taxi gefällig ?

Fantastisch, das Taxi ist endlich wieder im Einsatz. Zuletzt wurde unser guter Tandemgleitschirm an der Düne geflogen. Heute endlich haben wir ihn wieder zum Einsatz gebracht. Thomas, ein Freund von uns, hat mich damit vom Berg über den See chauffiert wo ich dann meinen ersten D-Bag-Sprung gemacht habe. Ich hing unter Thomas und zwischen uns der D-Bag. Im D-Bag lag fein säuberlich gefaltet mein guter alter Schirm. Ich musste nur die Verankerung lösen und ab ging die Fahrt. Erst mal freier Fall. Die Leinen meines Schirms kommen in Sekundenbruchteilen zum Vorschein. Dann kommt der Schirm. Er öffnet sich in kürzester Zeit mit einem deutlichen Ruck. Ehe man sich seiner Situation überhaupt bewusst ist fliegt man schon und alles ist wie immer. Obwohl ich ja wusste dass alles gut gehen würde atme ich erleichtert auf und sacke den Schirm kurz an um dann einen (fast) sauberen Helikopter andrehen zu lassen…

Der Urlaub neigt sich jetzt langsam auch für Lina und mich dem Ende entgegen. In den nächsten Tagen findet hier noch ein großer Akrobatik-Wettkampf statt den wir uns ansehen werden und anschließend geht es heimwärts.

Für mich allerdings nur für eine kurze Zeit. Letzte Woche hatte ich ein Bewerbungsgespräch bei der FH-Kärnten. Und wie es aussieht werde ich in kürzester Zeit ein Mechatronikstudium direkt hier am FH-Standort Villach beginnen. So kann ich studieren und in der freien Zeit meinem größten Hobby nachgehen. Sämtliche Studienleistungen aus meiner alten Uni kann ich hier sogar anerkennen lassen.

Ein wenig traurig stimmt mich dass mein treuer Schirm, der Vulcan, leider auch seinem Ende entgegen strebt. Die Löcher häufen sich und auch die Leinen werden langsam müde. Na ja, es ist eh an der Zeit einen kleineren, schnelleren und wendigeren Schirm zu fliegen.

An der Gerlitzen

Spektakel!!! Eins steht fest an der Gerlitzen. Wenn das Wetter gut wird, steigt auch die Zahl der Retterabgänge. Und heute ist verdammt gutes Wetter!
Vier Abgänge, die Hälfte davon in Bäume. Der Zweite – glücklicherweise ins Wasser – war, wie hätte es anders sein können, David.
Nachdem er vor einigen Tagen einen recht flitzigen Schirm ausprobiert hat, mit dem er auch problemlos seine ersten Tumblings geflogen ist, wuchs die Unvernunft in seinem Hirn auf 100 % und er wollte auch mit dem Vulcan tumblen. Der kleine versteckte Sensationsreporter in mir war sofort wach: Das gibt feine Aufnahmen! Das erste Tumlbing (gestern wars) ging gut. Das zweite heute dann nicht mehr. Der Herr Zander fand sich recht schnell in den Leinen wieder und ging an der Rettung ins Wasser. Hat sich mein Spürsinn für Sensationen gelohnt: Es ist alles auf Video, jiehhaa!!!
Der letzte Retterabgang heut ging Lina und mir dann noch ein wenig in die Knochen. Denn wir waren bei den ersten, die im Wald waren und auch den Rettungsschirm tief im Urwald gesehen haben. Keine Antwort vom Piloten. Glücklicherweise hatte sich dieser schon auf die andere Seite des Dickichts durchgeschlagen. Bilanz für heute: Vier Abgänge ohne Schaden!
Der Innenkontainer von Davids Rettung ist nur leider untergegangen. Muss wohl ein neuer her. Gleich haben wir ein Treffen mit einem Mechaniker, der sich unseren Bus anschaut. Dann wird sich wohl herausstellen, wie es mit ihm weiter geht.
Ach ja, ich fliege auch endlich einen anderen Schirm und bin der Langsamkeit und Trägheit des Infinity endlich entkommen. Unter einem gelb-weiß-schwarzen Hornet SP von Firebird flitze ich jetzt rum. Von den Flugeigenschaften ähnlich dem Vulcan von David. Geringfügig besseres Gleiten, weniger Steuerdruck. Deshalb hauen unsere Syncronspiralen nun auch besser hin. Nur zum SATen ist er verdammt schwer. Bisher hab ich’s noch nicht geschafft.
Ich habe verloren. Die Wette, dass der Bulli unter einer kleinen Unterführung durch passt oder nicht. Die Höhe war mit 2,60 m angegeben, der Bulli ist im Papier 2,70 m hoch. Ich hab gewettet, er passt nicht. Ein Bierchen für jeden war noch ein ganz annehmlicher Wetteinsatz.
Tja nun, die Zeit ist gekommen, mich als aktiver fly-europe-Reporter zu verabschieden. Ich fahre morgen heim. Das schreibt sich gerade so leicht, klingt aber irgendwie mehr wie ein schlechter Scherz. Seit ein paar Tagen schiebe ich es vor mir her und wenn ich nicht eben eine Mitfahrgelegenheit für morgen gefunden hätte, wär‘s wohl noch später geworden. Ich muss mich einschreiben in der Uni und mir geht die Kohle aus (liegt u.a. auch am „neuen“ Schirm, der allerdings ein gutes Schnäppchen war). So einfach und nüchtern holt es einen wieder heim.
Die Reise geht zu Ende (Bilanz ziehen brauche ich hier nicht, lest ein wenig in diesem Blog und ihr werdet selber um die Bilanz wissen!) und was Neues fängt an. Das ist immer die gute Kehrseite. Ich hab ein Haufen phantastischer Menschen kennengelernt, ziemlich viel erlebt, wovon ich im Studium und sonst zehren kann und kann mich in der Luft sehen lassen.
Während einem letzten schönen Flug über dem Ossiacher See, nun ja, lies ich ein wenig Revue passieren. Ich sage euch, das geht gut beim Fliegen!
Also denn, ich bereite mich mal auf die Landung vor! Bis bald!
Und Lina & David wünsche ich noch gute Flugtage an der Gerlitzen. Bleibt trocken!

Tirolerwirt

Mittlerweile ist der leichte Groll über das verspätete Taxi vergangen und nach dem Genuss einer Weichstrahl-Dusche im noblen Spiegel-Badezimmer habe ich mir es zwischen Kissen auf dem Sofa bequem gemacht. Die Whirlpool-Badewanne lockt noch, vielleicht kommt die später noch dran. Das Doppelbett werde ich wohl an Lina und David abtreten müssen, aber das andere Schlafzimmer sieht auch einladend weich aus. In Richtung meiner Füße, auf dem Wohnzimmertisch ruhend, ein massiv und dennoch elegant-schlichter Esstisch für acht Personen. Etwas nach rechts gewandt ein 42 Zoll Fernseher betriebsbereit.

Lotto? Zuviel Promille? Schlag auf den Kopf? Übermüdet? — Falsch gedacht. Ein geplatzter Druckausgleichsbehälter hat uns in diese missliche Lage gezwungen.

Mitten auf der Alpen-Autobahn A10 km 46,7 Richtung Villach hat‘s gedampft und gesprudelt und kochendes Wasser ist rausgespritzt, dass einem ganz bange wurde um den guten Bulli. Das Problem hatten wir bald lokalisiert, aber machen lies sich nix. Also den ADAC angerufen und ein wahres Wunder erlebt. Erst sind wir von einem lustigen gelben Engel nach Bischofshofen zu einer VW-Werkstatt geschleppt worden (war abends und alles hatte schon zu), dann von einem Taxi abgeholt und in ein feines Appartement, dem Tirolerwirt, gebracht worden. Unterschrift, Schlüssel entgegengenommen und die Sache war erledigt. Arschgeiles Appartement gewesen mit Whirlpoolbadewanne, riesen Flachbildschirm etc. Bei einer Folge Tatort den Luxus genossen, ein wenig gewhirlt und am nächsten Morgen Frühstücksbuffet und Schlüsselabgeben, fertig! Und alles hat der ADAC bezahlt. Für alle drei, obwohl nur ich Mitglied bin.

Das Bangen hielt allerdings an, denn die Werkstatt ging zunächst davon aus, dass der Bulli erst am Montag, sprich drei Tage später wieder flott sein würde. Und eventuell sogar die Zylinderkopfdichtung hin ist. Durch Glück im Unglück haben wir jetzt einen anderen, nicht originalen Druckausgleichsbehälter drin und konnten schon am Nachmittag nach der Appartementnacht wieder weiterdüsen, sodass wir am Abend am Ossiacher See eingetroffen sind. Zum allgemeinen Verständnis sei gesagt, dass wir im Folgenden nur noch von „der Gerlitzen“ sprechen werden. Dies ist der eigentliche Flugberg und allgemeinbezeichnend für dieses Fluggebiet.

Gleich bei unserer Ankunft haben wir die Tandempiloten (und Brüder) Mike und Manni kennengelernt, die uns umgehend zu Fleischplatte und Bier einluden, welche sie für ihre Passagiere aufgetischt hatten. Dass es hier kein Problem ist, schwarz zu campen, haben M & M aus Eigenerfahrung berichten können. Und deshalb stehen wir auch jeden Abend auf einem anderen Park-, Lande- oder Rastplatz.

Einer davon, eigentlich ganz schön am See gelegen, hat uns dann doch nicht so gefallen. Genannt „Der Schwuliantensee“  ist er in den Abendstunden Treffpunkt für ebendiese. Typen, die des Nachts um die Autos schleichen, auf der Suche nach Bekanntschaften, waren uns nicht so geheuer und bewogen uns zu einem nächtlichen Umzug. Tagsüber zum Baden taugt der See allerdings sehr gut.

Zwischen dem letzten Bericht aus Organya und diesem liegen noch einige kleine Stationen, die wir nicht vergessen wollen. Am Achensee haben wir Marie und Lina aufgesammelt und sind zu viert nach Zell am See, dem Worldcup im Akrobatikfliegen beizuwohnen. Anschließend waren wir noch einige Tage in Kössen zum Fliegen. Marie ist von dort wieder Richtung Heidelberg und wir hierher an die Gerlitzen.

Fliegerisch hatten wir noch nicht die Spitzentage hier. Eher mässiges Wetter erlaubte die ersten Tage mal zwei, manchmal auch keinen einzigen Flug am Tag. Allerdings war der erste Flug gleich Gaudi pur. Total in der Höhe verschätzt, hatte David keine Chance mehr, das trockene Ufer, geschweige denn den Landeplatz zu erreichen. Seine Wasserlandung am Strandbad wenige Meter vom Steg entfernt war Gaudi für alle Badegäste und für Lina und mich aus der Luft.

Einen Tag mit fünf Flügen hatten wir. Allerdings meistens Rückenwindstarts und teilweise strammer Wind im Tal überm Landeplatz.

Gestern Abend sind wir auf den Tipp von Manni nach Villach zum Straßenkunstfestival gefahren und haben einige Jonglage-, Feuer- und Musikaufführungen in der Innenstadt angesehen.

Es ist zum Mäuse melken. Draußen pisst es wie blöd und wir hocken im stickigen Bulli. Die Autowäsche, die wir dem Bulli vor ein paar Tagen an einer Selbstwaschanlage angedeihen liesen hätten wir uns fast sparen können. Der Regen erledigt’s von selbst.

Leider haben den Bulli seine 29 Jahre auch eingeholt. Ein Typ aus der Werkstatt hatte uns bereits darauf hingewiesen, dass mit dem Problem des geplatzten Ausgleichbehälters häufig auch eine undichte Zylinderkopfdichtung zusammenhängt. Das Ganze äußert sich durch Abgase im Kühlwasser. Noch hält es sich in Grenzen, aber besser wird’s wohl kaum und über kurz oder lang dürfte der Bulli seinen Geist aufgeben und nach einer neuen Zylinderkopfdichtung verlangen. So ein Scheiß! Slowenien ist somit auch gestorben und wir können glücklich sein, wenn er uns noch bis in die Heimat trägt. Notfalls auf dem Rücken eines ADAC-Fahrzeugs…

Der Regen hält an. Wenigstens haben wir einen Platz gefunden, an dem wir Internetzugang haben. In wenigen Minuten wird die Homepage brandaktuell sein und neue Filme zum Regen aussitzen haben wir nun auch…

Organya

Gleich vorweg: Dieser Bericht hat mal wieder eine längere Entstehungsgeschichte. Immer mal wieder weiter daran geschrieben, ist er eher als eine Aneinanderreihung verschiedener Episoden und Anekdoten zu verstehen. Eben habe ich auch beschlossen, der Länge wegen einige Zwischenüberschriften einzufügen, in der Hoffnung, Euch die Orientierung in unserem Erlebnisbericht ein wenig zu erleichtern.

Magic Mountain

Hinter dem Pool, an dem ich gerade sitze, ragt er auf und sieht gerade wahrlich unmagisch aus. Das liegt vielleicht auch daran, dass er seit zwei Tagen seine magischen Aufwinde vermissen lässt. Schuld ist der starke Nordwind, der durchs Tal pustet.

Der Pool gehört zum Campingplatz. Ja, richtig, wir sind schon wieder am „Campen“. Nach ein paar Tagen Wildcampen am Landeplatz hat uns der Preis von 3,5 € pro Nacht (nur für Flieger), das kostenlose Internet, der frisch gefüllte Pool und die warmen Duschen überzeugt. Ein wahres Fliegercamp.

Und wieder einmal durften wir die Spanier beim Feiern erleben. Heute ist ein spanischer Feiertag und gestern haben wir bei viel Feuerwerk und Kracherei mit allen Fliegern auf dem Campingplatz gegrillt.

Die unfliegbaren Tage, von denen wir noch zu Beginn sprachen, sind vorbei und die letzten drei Tage waren bombenmäßig. Wir beide haben erst mal einen Haufen Fullstalls hingelegt. Mein erster hat mich gleich mal durch die entlasteten Leinen fallen lassen, ein ungutes Gefühl. Nicht alle sind gemütlich, aber da heißt es einfach „üben, üben, üben“, bis der Fullstall als Reset einfach sitzt (Nichtfliegerinfo: Ein Fullstall ist ein gewollt herbeigeführter Strömungsabriss. Sprich, der Schirm wird zu einem unförmigen, entleerten Lappen, der ganz schön nach hinten wegkippt. Aus diesem Flugzustand gilt es dann wieder, den Flügel zum Fliegen zu bringen. Und zwar ohne, dass er vorschießt…).

Abends lässt es sich hier noch ewig fliegen und die Bedingungen sind dann superfein. Total ruhig und fast überall leichtes Steigen. Die Krönung eines solchen Tages bildet dann die Landung direkt am Campingplatz und ein kühles Landebier danach. Vor zwei Tagen habe ich allerdings auch mal ausprobiert, wie es ist, auf einem Feld eine Außenlandung hinzulegen. Wir haben uns bei dem Versuch, einen kleinen Ausflug zu machen, in eine blöde Ecke manöveriert, in der der Wind volle Kanne um ne Bergkante geweht ist. Keine Chance mit meinem Flügel dagegen anzukommen. Und mir bis dahin unbekannte Turbulenzen haben die Situation nicht gerade bequemer gemacht. So aktiv bin ich noch nie geflogen. Also mit dem Wind die nächstbeste Wiese gesucht, dicht über die Bäume geschrubbt und sanft eingelandet.

Neben den ganzen Acropiloten, die hier rumfliegen, verblassen unsere „Künste“ total. Nette Kerle alle so ungefähr in unserem Alter, die um uns drumherum mit Helico, Tumbling etc. ordentlich abmontieren.

Das schöne ist, dass man da noch so viel lernen kann. Seppi, einer der Acropiloten, zeigt uns heute Abend, wie man Rettungen packt. Dann packen wir unter seiner Anleitungen unsere Rettungsfallschirme. Ab und zu soll man das ja tun. Alleine gestern gab‘s hier wieder zwei Retterabgänge.

Ein Tag im Shopping-Rausch

An einem der letzten Tage waren wir in Andorra. Natürlich zum „Shoppen“. Außer Lebensmittel, Gaskartuschen und eine billige Tankfüllung haben wir aber nix mitgenommen. Der spanische Grenzer wollte uns das nicht ganz glauben, fragte er uns doch mindestens drei Mal, ob wir nicht „Joint“ oder „Marihuana“ im Gebrauch bzw. Gepäck hätten. Unser „Nein“ ließ er nicht gelten, legte bedacht seine Dienstkappe auf unsere Rückbank (entweder ein Einschüchterungsversuch [erfolglos] oder um seine Kappe vor unserer schmierigen Schiebetürschiene zu schützen). Er beließ es dann aber bei einem pro forma Durchleuchten diverser Schränke unseres Busses.

Traumtänzer Franck

Heute Abend wollen wir dann noch für ein paar Tage nach Ager fahren, wo gerade die spanische Streckenflug-Meisterschaft stattfindet. Martin aus Wien, der mit seinem orangenen Ford-Campingbus mit uns campt und kocht, kommt mit. Franck, wir zwei und Martin waren eine lustige „Campergemeinschaft“. „Waren“, weil Franck gestern ziemlich plötzlich nach Paris zurück ist, seinen ganzen Kram aber bei uns gelassen hat, weil er wiederkommen will. Irgendwie hat er dann doch gemerkt, dass sein Chef das nicht so gut findet, dass er so lange weg ist, er erreicht seine Freundin nicht und will auch in Frankreich zum Arzt gehen, weil es ihn vor zwei Tagen ganz schön ins Kornfeld gebombt hat.

Es begab sich folgendermaßen: Um die Mittagszeit sind wir alle nach und nach rausgestartet. Franck ganz ohne Eile dreht sich erst noch einen Joint und startet schließlich auch. Ohne Helm und ohne Rettung, wie immer, checkt er natürlich nicht, dass die Bedingungen noch stärker werden. Völlig überfordert, versucht er dann, mit angelegten Ohren (effektivere Abstiegsmethoden sind ihm nicht bekannt) runter zu kommen und am Campingplatz zu landen. Dass man dicht über dem Boden nicht mehr beschleunigt fliegen sollte, hat er ebenso nicht bedacht, wie das Lee eines großen Hauses, in das er geflogen ist. Eine Reihe diverser Kollapse hat ihn dann drei Meter von der Friedhofsmauer ziemlich hart in ein Kornfeld donnern lassen. Das wissen wir aus Erzählungen von ihm selber und Beobachtern. Voller Stolz wollte er uns später dann sein „hole“ zeigen (das Loch, das er ins Kornfeld gebombt hat). Erstmal haben wir ihn aber für ne halbe Stunde gesucht, weil wir dachten, ihn hats weggetrieben und er hängt in nem Baum. Alle Acropiloten mit ihren schnellen Schirmen sind schon ausgeschwärmt, ihn zu suchen. Erst ein englischer Pilot hat uns nebenbei nach seiner Crash-Toplandung erzählt, dass ein Pilot ins Feld gekracht und erstmal dort liegen geblieben ist.

Als Martin und ich dann zum Campingplatz sind, um nachzusehen, haben wir ihn grinsend am Pool getroffen… mitm Joint in der Hand: „Everything is ok. I have a nice and smoothy  fly and I make a big, big hole in the cornfield, hihihi”… Frank hat einen riesen Optimismus und einen noch viel größeren Schutzengel. Erst abends hat er dann zugegeben, dass sein Knie doch ziemlich viel abfangen musste…

Um nicht ein falsches Bild von Franck entstehen zu lassen, müssen wir hier auch noch erwähnen, dass er – neben seinen fliegerischen „Künsten“ und seiner fast schon liebenswerten Verpeiltheit – ein lustiger und angenehmer Zeitgenosse ist. Nicht nur wir, sondern der ganze Campingplatz hatte großen Spaß, während er hier war.

Tausende m² Nylon in der Luft

Spanische Meisterschaft im Streckenfliegen und wir warn dabei… Klingt gut und war auch gut. Dafür sind wir, wie gesagt, für ein paar Tage nach Ager gefahren. Mit knapp 200 Schirmen zusammen in der Luft zu sein, ist ein erhebendes Erlebnis. Und das Thermikfliegen wird dadurch auch einfach(er): Man sieht einfach überall, wo es hoch geht. Auch das Startszenario mit Breefing, Aufstellen und im Sekundentakt Starten haben wir uns nicht nehmen lassen (vorher sind wir stillschweigend mit den Wettkampfpiloten im Reisebus hochgefahren). Unsere Feststellung nach den drei Tagen: Streckenflug ist verdammt anspruchsvoll, eine nette Sache, aber nicht unser Hauptinteresse beim Fliegen.

Dort haben wir auch Andres kennengelernt. Der musste nur leider schon bald wieder nach Hause nach Südspanien, weil die Freunde, mit denen er dort war, für einen Tag zu ihren Frauen nach Hause mussten, um den lieben Ehegatten zu spielen, nur um dann das OK für den nächsten Wettkampf zwei Tage später zu bekommen. Die Frauen wussten freilich nicht, wo ihre Männer gerade waren…

Nen Abend, schon ne Weile her, waren wir mit ein paar Piloten in der Nähe klettern. Einige Felsnadeln in der Abendsonne boten nette Kletterrouten. (Ok, das ist ein kurzer Absatz, aber mehr gibt’s nicht zu berichten, nette Klettersession halt).

Reise-Weisheiten

Sinnierender Weise bin ich während einem der letzten lauen Sommerabende zu einer Feststellung gekommen, die unser „Unterwegssein“ betrifft: Wir sind nicht die einzigen! Wir sind zwei Reisende unter so vielen, so viele, wie ich es mir zuvor nie hätte vorstellen können. Die meisten Menschen, die wir treffen, sind auf die ein oder andere Weise ebenfalls unterwegs. Vielleicht ein wenig kürzer oder länger, vielleicht mit einem anderen Schwerpunkt, aber sie sind unterwegs. Und das ist eine Gemeinsamkeit, auf die sich meistens eine nette Begegnung oder sogar Freundschaft aufbaut. Man ist nicht mehr der exotische Reisende, sondern plötzlich unter Gleichgesinnten, die genauso ticken, wie man selber. Ein Umstand, durch den man sich durchaus wohl fühlt und den man gerne als Bestätigung hinnimmt, das Richtige zu tun.

GGrillen bei Robert & Fatimeefährten

Da ist zum Beispiel Martin, der sich ein Jahr Pause im Job gegönnt hat, um zu reisen. Oder Robert und Fatime, die beide fliegen und für einige Wochen Urlaub machen.  Drei unglaublich sympathische Menschen, mit denen wir gegrillt , gecampt und gefeiert haben und mit denen wir auch in Ager waren. Alle drei übrigens aus Österreich. Außerdem Andi und Marvin, die neben unserm Bulli mit Andi’s Lt28 stehen, sozusagen der große Bruder des T3.

… und der Bus

Der Bulli hatte seine erste Migräne. Erst ist der Anlasser regelrecht weggeschmolzen, was daran lag, dass, während unser Auto freundlicherweise runtergefahren wurde, der Anlasser nicht abgeschaltet wurde und somit einfach durchgebrannt ist. Schuld daran ist unsere Konstruktion, die ein manuelles Abschalten erfordert. Wir haben uns vorgenommen, eine „fremdfahrerfreundlichere“ Lösung zu finden.

Am selben Tag und den folgenden ist uns dann die Schiebetür mehrmals rausgefallen. Besonders beschissen, wenn das am Startplatz passiert und einen am Fliegen hindert. Mittlerweile funktioniert beides wieder (Anlasser ist neu, der Einbau ist uns ja bereits bekannt, die Tür wird wohl nicht ewig halten).

Urlaub im Urlaub

„Vous faites pas de spectacle aujourd`hui ?“ (Ob wir denn heute kein Spektakel machen…).  Die Dame, die uns das fragte, schaute direkt ein wenig traurig drein, als wir ihr antworten mussten, dass heute das Wetter einfach unfliegbar ist. Also kein Spektakel für die Campingleute. Dafür aber endlich mal wieder ein Bericht für Euch.

Einen Bericht von der Düne. Sozusagen der Urlaub im Urlaub. Der wesentliche Unterschied zu sonst: warme Dusche, Strom und extra Zelt für die Schirme. Und dann die vielen Leute, die man hier trifft. Das – und natürlich das Fliegen (wir reden hier hauptsächlich vom „Spielen“) – ist wirklich eine gute Sache an der Düne.

Fangen wir also mal mit den Begegnungen an. Zunächst ist Miguel vor einer guten Woche weitergezogen. Eine Woche Düne waren genug für ihn. Er hat ja auch nicht mehr vier verbleibende Monate. Miguel wurde quasi im fliegenden Wechsel von Lina abgelöst, die gerade für eine Woche zu Besuch ist und fleißig am Fliegen und Wing-Overn ist. Sogar einen Überraschungsbesuch hatten wir: Davids Eltern sind für einige Tage ihres Frankreichurlaubs  vorbeigekommen und haben die Dünenfliegerei vom Land und auch mal aus der Luft kennen gelernt.

Großen Spaß macht es, neue Leute kennen zu lernen. Zum Beispiel Ingo, den wir schon beim letzten Mal an der Düne getroffen haben, oder Andi und Dirk mit ihren Söhnen, die mindestens genauso verrückte Ideen wie wir haben – was das Fliegen angeht. Außerdem Dario (aus Italien) und Martin (aus der Schweiz), beides Flieger und außerdem mit einem Wildwasserboot angereist, welches wir natürlich gleich mal ausgeliehen haben.

Für einige Zeit hatten wir die „Härtingers aus Bayern“ mit ihrem Hund Jako als Nachbarn. Zwei Familien, die mit Kanus und Kindern unterwegs waren. Dass der Hund Jako häufig mal Blödsinn gemacht hat und demzufolge laut gerufen wurde, führte anfangs bei unserem Jakob zu heilloser Verwirrung…

Zu zwei richtig leckeren Abendessen wurden wir von Stefan, Natascha und Freunden eingeladen. Urlauber aus dem Raum Stuttgart, die reihum gekocht haben. Wir durften „Scampas in einer Sahne-Wein-Kräuter-Soße, dazu leckeren Salat und Baguette. Nachtisch: Mouse au Chocolate.“ sowie ein ausgiebiges Grillgelage genießen. Vielen Dank für die Einladung!

Für ein paar Tage hatten wir sogar einen „Kaffee ans Bett Service“. Roger und Gigi („könnt ihr englisch, französisch oder deutsch aussprechen, ganz egal…“) waren so eine Art „Urlaubsgroßeltern“. Ungelogen sind wir morgens aufgewacht und hatten eine Thermokanne frischen Kaffee im Bus stehn. Welch ein Luxus. Und kühles deutsches Bier gab‘s zum Abschied auch noch.

Fast hätten wir’s vergessen. Wir haben ja noch jemand bekanntes getroffen. Andy, Fluglehrer von Jakob und Prüfer von David, flog pfeifend in der Luft rum, als wir hier angekommen sind. David und Andy hatten einen tollen Vollmondflug, leider ohne Jakob, der von seiner Handverletzung ausgebremst war. Der geht’s allerdings schon wieder recht gut, für’s Dünenspielen taugt sie wieder, Stützen bei Akrobatik geht wohl noch nicht so.

Seit ein paar Tagen steht Judith aus Konstanz mit ihrem roten Bulli neben unserm. Zehn Jahre jünger und auch ein bisschen flotter ist er, aber unserer dafür einfach viel wohnlicher. Mit Franck, Morgan und Jens zusammen ist hier schon ein richtiges kleines Bulli-Camp entstanden.

Jens aus Darmstadt, der uns für zehn Tage an der Düne besucht hat, konnte die Düne zum Verbessern seiner Flugtechnik nutzen und wird den A-Schein jetzt wohl mit Links machen können.

Getroffen haben wir noch viel, viel mehr Menschen, sie alle zu erwähnen dauert lange. Übrigens sind wir schon ein bisschen zu fast-echten Campern geworden. Seit heute haben wir ein Vordach vor unserm Bus und wenn wir noch zwei Tage hier bleiben, kriegen wir den „Dauercamper-Rabatt“. Schon fast ein bisschen gruselig finden wir das.

Nun aber zum zweiten, wesentlichsten Bestandteil: Dem Fliegen.

Seid zwei Wochen sind wir jetzt an der Düne. Wer uns noch nicht so gut kennt, könnte vermuten, dass wir das sagenhafte Wetter dazu nutzen, vor dem wunderbaren Dünenpanorama hin und her zu fliegen.

Falsch, wenn man nur ein wenig verrückt oder auch wie uns kürzlich vorgeworfen wurde „wahnsinnig“ ist, fallen einem viel, viel mehr Möglichkeiten ein im „Sandkasten für große Jungs“ zu „spielen“.

Fliegen im Vollmondschein ist zum Beispiel eine tolle Sache. Zur besseren Sichtbarkeit gibt’s für jeden Piloten eine Stirnlampe und auch die Flügel werden mit Licht bestückt. Ein Flugerlebnis der ganz besonderen Art.

Ein wenig wahnsinniger sind dann schon die gemeinsamen Flüge an einem Schirm: Der Wind ist schon wieder viel zu stark. Nur zwei Piloten mit Speedridingschirmen sind in der Luft. Wir haben keine Speedridingschirme wollen aber trotzdem fliegen. Unsere Gedanken überschlagen sich. Je mehr Gewicht an einem Gleitschirm hängt desto schneller fliegt er. Die Schlussfolgerung ist denkbar einfach. Unser schnellster Schirm wird flugbereit gemacht. Wir hängen uns gemeinsam in die Tragegurte und auf geht’s. Das Ergebnis überzeugt. In bis dahin unbekannten Geschwindigkeiten schießen wir die Düne entlang und siehe da, auch die Speedrider müssen sich von uns überholen lassen.

Im Übrigen ist in der vergangenen Woche zu unserer Überraschung ein Tandemschirm vom Himmel gefallen, den wir gnädiger weise in unserem Bus aufgenommen haben und der uns für den Rest der Reise begleiten wird. Natürlich braucht so ein Tandemschirm auch ab und zu ein wenig Auslauf…

Den ultimativen Kick gibt es dann, wenn man im Flug die Bein und Brustgurte löst und sich mit den Füßen auf das Sitzbrett stellt. Zwar kann man so die Hände, die man zum festhalten braucht, nicht mehr zum steuern benutzen, mit Hilfe der Gewichtsverlagerung bleibt der Schirm aber steuerbar.

Ein anderer interessanter Versuch war der Absprung über Wasser: Je nach Windstärke nehme man einen Tandem- oder Soloschirm mit nur einem Gurtzeug. Schon während der Pilot startet, hält sich der Passagier unten am Gurtzeug fest. Nun geht es auf direktem Weg Richtung Meer damit sich der Passagier, auch Springer genannt, nicht zu lange halten muss. Ist man in der Abspunghöhe von 10 bis 15 Metern angelangt fliegt der Pilot eine enge 180°-Kurve. In dieser Kurve lässt der Springer sich fallen und wird so noch ein wenig nach außen geschleudert um dort zu landen wo der Ozean mit Sicherheit tief genug ist um nicht oder schon stark abgebremst den Grund zu berühren. Nach dem Absprung schießt der leichter gewordene Gleitschirm mit dem Pilot in die Höhe und mit dem richtigen Timing hat man noch viel Zeit, um trockenen Fußes am Strand zu landen. Natürlich haben wir bei den ersten Versuchen mit kleineren Absprunghöhen experimentiert, was dann allerdings für den fluchenden Piloten zu einer Wasserlandung führte…

Abends wenn an der großen Düne dann schon wieder weniger los ist und man sich nicht mehr die ganze Zeit aufs Ausweichen konzentrieren muss, kann man dann mal kurz zwischenlanden und die Flugrichtung wechseln. Die Tragegurte werden zu diesem Zweck einfach umgedreht und schon fliegt man rückwärts. Anfangs ein etwas beunruhigendes Gefühl. Sämtliche Automatismen wie die Gewichtsverlagerung funktionieren plötzlich andersherum. Jede Kurve muss wieder bewusst geflogen werden. Schon nach kurzer Zeit bekommt man aber auch dafür ein Gefühl und wird mutiger. So lassen sich mittlerweile auch Nickübungen und leichte Wingover im Rückwärtsflug fliegen. Abends nach der Landung wird man dann aber doch für die Leichtsinnigkeit bestraft… von den vielen „Schulterblicken“ um zu sehen was in der Flugrichtung so los ist bekommt man schon nach einer Flugstunde einen wirklich steifen Hals.

So, das war die Düne 2010. Wir haben 2 Uhr Nachts nach einem erfolgreichen und ausgefüllten Flugtag, treffen gerade die letzten Vorbereitungen, kochen noch nen Kaffee und dann geht’s auf nach Organyá, dem Fluggebiet das auch „Magic Mountain“ genannt wird und das in den südlichen Pyrenäen liegt.

Höhenrausch

So, haben gerade unsere vierstündige Siesta abgeschlossen. Alles in allem eine sehr ereignisreiche Siesta. Eigentlich wollten wir nur einkaufen fahren. In Piedrahita, dem nächstgelegenen Ort, gibt es einen kleinen Supermarkt, der leider, wie wir feststellen mussten,  ebenfalls Siesta hält. Also suchen wir einen netten Platz mit öffentlicher Wasserstelle und Internetzugang und checken unsere Mails.

Wie (fast) immer gibt es Pfannkuchen. Mittlerweile haben wir sicher mehr als 200 Eier verdrückt...Neben den vielen freundlichen Mails, Kommentaren und Gästebucheinträgen von Freunden, über die ich mich übrigens immer sehr freue, habe ich eine Mail von Jens. Jens schreibt er habe eines unserer Videos auf Youtube gesehen und in meinem Account gelesen, dass ich aus Darmstadt komme. Auch er wohne in Darmstadt und habe gerade mit der Fliegerei begonnen. Wir könnten doch mal in der Nähe von Darmstadt gemeinsam fliegen gehen. Ich schrieb zurück, dass wir das gerne tun könnten aber aus Gründen, die ja wohl jedem einleuchten werden, wohl erst Ende des Jahres…

Prompt kam die Antwort: „wenn ihr Verstärkung wollt, packe ich meine Ausrüstung und leite das in die Wege .”

Also, wenn das dann alles so klappt, wie geplant und wir Jens in einer guten Woche an der Düne treffen, werden wir wohl bald wieder zu viert unterwegs sein. Wir sind gespannt Jens kennen zu lernen und freuen uns auf die Begegnung.

Ich werde mich in den nächsten Tagen wohl um einen Studienplatz an einer Universität im Alpenraum umsehen. Fliegen und Studieren lässt sich nur so wirklich unter einen Hut bringen. Ein gleitschirmfliegender Elekroingenieur den wir in Algodonales getroffen haben schwärmte von Kempten…

Von der Fliegerfront gibt’s natürlich auch einiges Neues. Vor drei Tagen hatten wir Bedingungen wie noch nie. Gemeinsam mit einigen Drachenfliegern starteten wir um 17 Uhr in der Hoffnung noch die ein oder andere Thermik zu erwischen bevor die Sonne die Kraft verliert. An dieser Stelle will ich mal an Jakob übergeben. Denn besser als er es im Freudentaumel direkt nach einem fantastischen Flug beschrieben hat, kann ich es beim besten Willen nicht ausdrücken:

„Ich weiß nicht, woran es liegt, dass ich Schlangenlinien laufe, nur durcheinander rede und die meiste Zeit am Jodeln oder Singen bin. Der Computerbildschirm bewegt sich ein wenig hin und her. Entweder, es sind die drei Stunden Flug über 3000 Meter oder es liegt an den vielen Endorphinen, die sich in meinem Schädel befinden.

Drei Stunden Flug. Die Leichtigkeit, mit der sich Höhe machen lässt, äußert sich im Pfeifen und Beine baumeln, die Welt wird klein unter einem und die Wolken sind ziemlich nah. Ein anderes Fliegen, als die letzten Tage, in denen wir in wenigen hundert Metern Höhe geflogen sind. Kein ständiges Bangen um Vorwärtsfahrt, Windversatz und Turbulenzen. Der Kollaps von Almunecar saß mir noch im Kopf. Bis heute! Man merkt ganz schnell, ob man mit seiner vollen Aufmerksamkeit beim Fliegen ist: Nämlich wenn die Wing-Over funktionieren. Eine Spirale oder einen Sat kann man immer „reinhauen“. Wenn bei den Wing-Overn das Timing der Gewichtsverlagerung, der Einsatz der Bremsen und das Stabilisieren nicht genau abgestimmt, dann kann das nix werden. Heute habe ich meine besten Wing-Over geflogen.

Es gibt zwei wesentliche Beziehungen beim Fliegen. Beide haben ihren Reiz. Die eine ist die Beziehung zwischen Pilot, Schirm und dem Boden. Ab einer gewissen Höhe verliert letzterer jedoch an Bedeutung und Pilot und Schirm können eins werden. Du spürst über die Bremsen, was dein Flügel über dir macht, spürst im Bauch, ob es rauf oder runter geht, hörst dazu das Piepen des Varios, den Wind und auch die Kälte. Und dann gibt es die Momente, in denen es „ab“ geht.

Volle Konzentration, rechte Hand in Stützposition, Gewicht nach links und die linke Bremse zweimal um die Hand gewickelt. Der Schirm beschleunigt und dreht nach links weg, ist fast auf der Höhe des Piloten, jetzt die Bremse mit viel Kraft nachziehen, der Schirm kippt komplett und die Beine baumeln plötzlich nach vorne. Das ist auch nahezu das einzige Zeichen, woran man erkennen kann, dass man selber rückwärts fliegt und der Schirm in die andere Richtung. Die Drehachse befindet sich ganz einfach zwischen mir und dem Schirm.

Dann sind da noch die Begegnungen in der Luft. Manchmal laut, Freudenschreie oder kurzes Gespräch, manchmal schweigend, nur das grinsende Gesicht des anderen sehend, einige Runden zusammen kreisend, um sich dann wieder zu entfernen.

Nach unseren Landungen dicht hintereinander sind wir einfach explodiert. Jauchzen, Hüpfen, Freude herausschreien. Noch nie habe ich mich so vor Freude gehen lassen können. Man fühlt alles gleichzeitig: Den festen Boden wieder unter den Füßen, das Brennen im Gesicht, weil man die Sonnencreme vergessen hat, den Druck auf der Blase, die Rückenschmerzen von den hohen G-Belastungen während Sat und Spiralen, die lahmen Beine, die das Laufen erst wieder automatisieren müssen, Glück, einfach Glück.

Und man sieht es auch: Die Gesichter von Miguel und David spiegeln in etwa meins wider: Steter Wechsel zwischen Grinsen und lautem Lachen.

Und dann ist da die Sonne nah am Horizont.

Ein Licht und eine Stimmung kommen zusammen, vereinen sich zu einem Moment, den ich gerne anhalten möchte.

In meinem Kopf ist er gespeichert. Für immer.

Die Nacht ist da. Es wird ein tiefer Schlaf sein.“

Ja, das war ein unvergesslicher Flug. Dicht unter den Wolken mit einem enormen Sicherheitsabstand zum Boden kann man einfach spielen. Die Wolken ziehen einen mit etwa 5 Meter pro Sekunde nach oben und das überall. Mit dem Wissen im Hinterkopf dass man in einer Spirale die Höhe mit bis zu 20 Meter pro Sekunde abbauen kann findet man hier das absolute Spielparadies. In diesen unglaublichen  Bedingungen habe ich auch meine ersten asymmetrischen Spiralen und meinen ersten Gegendreher oder auch Loop geflogen (Hannes, ich sollte dir ja Bescheid geben wenn ich einen Looping kann… Bescheid!!). Oh, mit 3629 Metern haben wir jetzt übrigens auch einen neuen persönlichen Höhenrekord.

Zwangspause

Zu Beginn unserer Reise haben wir noch versucht, eine Art Stichworttagebuch zu führen. Damit wir alle Begegnungen & Abenteuer der letzten Tage wieder zusammenkriegen, wenn wir einen Bericht für die Homepage schreiben. Nun, wir haben das sehr bald vernachlässigt und jetzt bereue ich das ein wenig. Sind grad auf dem Weg zurück nach Madrid, meinen (hoffentlich) reparierten Flügel abzuholen. Und ich sitze grad auf der Rückbank und kratze die letzten Tage in meinem Hirn zusammen. Und das auch noch unter Zeitdruck…

So fliegt sichs nicht so gut. Dieser Riss beschehrt uns eine zweitägige Flugpause.Warum mein Flügel kaputt ist? Ja, das wüsste ich auch gerne. Ne Leine muss bei einem Start am Boden hängen geblieben sein und hat sich dabei fast komplett aus dem Untersegel rausgerissen. Beim Fliegen nicht so wild, aber eben eine Stelle, an der der Flügel immer mehr einreißen würde. Das war alles noch in Granada. Also fang ich mal dort an, zu erzählen.

Nachdem wir unseren Winterausflug in der Sierra Nevada hatten, zog es uns doch recht zügig ans Mittelmeer. Laut Karte & Beschreiben gibt’s dort nen Haufen Fluggebiete. So war‘s dann auch. Nur leider war die Saison berechtigterweise schon zu Ende. So richtige Hammerflüge hatten wir irgendwie nicht. Jeden Tag erstmal suchen, in welchem Fluggebiet es wohl gehen könnte, dann das Fluggebiet selbst aufsuchen (ähnlich einer Schatzsuche am Kindergeburtstag, denn manchmal findet man den Schatz auch einfach nicht mehr) und eventuell dann auch starten. Nach einem üblen Frontkollaps in Bodennähe mit einem mir bis dahin unbekanntem Adrenalinschub und einem Rückwärtsflug von David durch einen sehr plötzlich aufkommenden starken Wind hatten wir genug von der fliegerischen „Qualität“ der Mittelmeerküste.

Die Landungen direkt am Mittelmeerstrand zwischen Badegästen (=Publikum) waren trotzdem ziemlich gut und vor zwei  Tagen hatten wir dann auch ein fein anmutendes Fluggebiet nahe Granada gefunden, in dem wir auch geflogen sind. Nach unserer Landung machte uns allerdings ein Parkwächter darauf aufmerksam, dass es verboten ist, im Nationalpark („Achso, Nationalpark hier?“) zu fliegen. Da Miguel nicht dabei war, hat uns unsere Spanisch-Unkenntnis jedoch vor Schlimmerem bewahrt.

Miguel stellt sich als Naturtalent herausSportliche Abwechslung hatten wir auch wieder. Nach einer unserer Strandlandungen durften wir die Wildwasserboote zweier netter Spanier ausprobieren und in den Wellen spielen. Richtig feine Sache. David hat auch direkt mal ne Eskimorolle hingelegt, erster Versuch! Und auch das Slacken bauen wir immer weiter aus. Gestern haben wir die Slackline über nem Fluss mit feinstem Sand aufgebaut. Miguel ist nun auch fleißig am Slacken.

Ich glaube, wir sehen mit unserem Bus abschreckend aus. Grad stehn wir an ner Ampel in Madrid und so nen Blumenfritz hat einen ganz großen Bogen um uns gemacht und nur bei den anderen Autos gefragt. Auch die Parkwächter aus dem Naherholungsgebiet von Madrid, in dem wir die letzten zwei Nächte verbracht haben, finden unseren Bus nicht so toll und haben uns verjagt. Ok, es lag wohl eher daran, dass wir uns und unsere Kleidung ausgiebig an einer öffentlichen Fuente (Wasserstelle) gewaschen haben. Der anfangs böse Mann hat uns anschließend aber auch die besten Tipps gegeben („Nachts gibt’s keine Kontrollen, dann könnt ihr eure Kleider waschen. Dort und dort ist nen anderer Platz, da ist der Fluss sauber genug und wenn ihr dort ne Nacht steht, sagt auch keiner was.“). Ähnliche Begegnungen hatten wir bereits. Meistens mit dem Satz „Glück gehabt, dass ich gekommen bin, meine Kollegen hätten euch sofort zahlen lassen“. Wo die ganzen bösen Kollegen sind, wissen wir allerdings nicht.

Nun denn, gleich sind wir beim Gleitschirm-Schneider angelangt (sitzt im Rollstuhl ,fliegt selber und ist Fluglehrer für Menschen mit Handicap, in allem sehr sympathisch).

Unser Plan ist, Anfang Juni an der Düne zu sein und auf dem Weg dorthin noch ein paar Fluggebiete mitzunehmen.

Wer uns besuchen kommen will, der tut das am besten an der Düne, also die ersten zwei Juniwochen. Der Campingplatz ist wirklich günstig und von uns gibt’s die Garantie dazu, in zwei Wochen das Fliegen zu lernen (kein Witz!!). Also nicht lang überlegen, Urlaub nehmen oder Uni Uni sein lassen und ab an die Düne!

Into the white

Langsam glaube ich wirklich an die Wunderkraft des Wassers. Warum? Nun, wir haben soeben drei Euro sehr gut investiert und ein Piscine Municipal aufgesucht, um uns rein zu waschen. Dass man in Spanien dabei zum Tragen einer Badekappe genötigt wird, wussten wir zwar nicht, der Wirlpool und die Sauna haben das aber wieder wett gemacht.

Ach ja, die Wunderkraft des Wassers: Wir sind tatsächlich wieder sauber geworden. Mit dem Dreck der letzten Tage muss sich nun die Kanalisation von Granada rumschlagen. Seit gestern ist unser Bedürfnis nach Wasser auf der Haut beträchtlich gestiegen.

Veleta in der MorgensonneDenn gestern waren wir auf dem Veleta, mit 3396m dem zweithöchsten Berg der Sierra Nevada. Mal wieder war das Wetter dran Schuld. Die besagte Front bedeutete mehrere Tage Schlechtwetter. Aus dem Plan, mehrere Tage unterwegs zu sein, wurden dann schließlich zwei Tage Vorbereitung und ständiger Planänderung (z.B. dass das Refugio, welches in unserer Planung als Übernachtungsort dienen sollte, ca. fünf Meter unterm Schnee liegt, lies den ersten Plan direkt platzen). Übrig blieb eine Tagestour auf den besagten Gipfel.

kurz vor dem Gipfel werden wir zum einzigen Mal mit Aussicht  belohnt

In 6 Stunden haben wir 1800 Hm in wahrlich winterlich-extremen Bedingungen zurückgelegt. Angekündigte Temperaturen von minus 7 Grad mit einem Windchillfaktor von minus 17 Grad waren nicht untertrieben. Schnee und Eis überall. Rund um den Gipfel machte ein 50er Wind uns mächtig zu schaffen und ohne Kompass und GPS wären wir dem Witheout gnadenlos erlegen. Einige wenige Momente, in denen die Wolken, in denen wir uns befanden, aufrissen, brachten uns einzigartige Ausblicke.

Einige bergerfahrene Menschen (davon gehen wir aus, machen sie dort oben doch einen mehrwöchigen Bergsteigerkurs) sagten uns, ohne Ausrüstung, sprich Steigeisen und Schneeschuhe, sei die Besteigung schwierig bis unmöglich. Unsere Feststellung: Überhaupt kein Problem und bergab eine wahre Freude für den Hosenboden (Spitzengeschwindigkeit laut GPS: 19 km/h).

Gipfelfoto - hier gab es leider keine Aussicht mehr

(Für alle, die jetzt denken, wir sind bekloppt: Das Gelände war risikolos sicherungsfrei zu begehen und unsere Orientierung mit GPS und Karte sorgfältig vorbereitet).

Ein paar nette spanische Soldaten, die dort oben stationiert sind, haben uns dann noch geholfen, unseren eingefrorenen Bulli wieder anzuschieben.

Alkohonales

David öffnet die Dose und ich bin voller Erwartung auf ein nicht-alkoholisches Getränk (es wird höchste Zeit dafür). Aber was wie eine Cola-Dose aussieht, entpuppt sich als eine Dose Bier. Spätestens jetzt merken wir, dass Bo recht hat: Wir sind in „Alkohonales“ und nicht in Algodonales. Bo kennen wir seit gestern. Und jetzt sitzen wir noch bei ihm und Nils im Appartement für ein letztes Bier. Bo fliegt auch Gleitschirm, ist Anfang dreißig, kommt aus Polen und lebt in Irland. Nils kommt aus Deutschland und ist Artist, reist um die Welt und fliegt zwischendrin… allerdings Drachen. Der Abend hat übrigens begonnen im J.J., DER Fliegerbar in Algodonales, in der es sogar deutsches Bier gibt.

Seit einigen Tagen schlafen wir nicht mehr im Bus, sondern draußen. Auch weil das Wetter hier einfach gut ist, vor allem aber, weil wir mittlerweile zu viert sind. Franck aus Paris haben wir euch schon vorgestellt, Miguel aus Barcelona ist der vierte im Bunde. Ist auch seit einem Monat unterwegs, war schon in Marokko und Teneriffa zum Fliegen und ist jetzt für ein paar Wochen hier in Südspanien.

It’s fuckin‘great, we are talking English all the time. Sometimes we are even thinking in English. Da macht es direkt Spaß, ein wenig mit der Deutschen Sprache zu spielen und diesen Text zu schreiben.

Oh verdammt, jetzt habe ich diesen Absatz in Gedanken schon wieder in Englisch schreiben wollen. Franck und Miguel wollen später auch noch was in ihrer Landessprache schreiben.

Dank unseres verdammt hohen Ehrgeizes sind wir gestern doch noch zum Fliegen gekommen. We had a really strong wind from North or North-West. So it wasn’t possible to fly. But “never give up!”. We nearly killed our bus and drove up a mountain we already know and waited for less wind. The result was a 40 minutes flight during sunset. It was really great but a little bit dark while landing.

Heut sind wir an demselben Platz – natürlich auch die ersten – und warten, dass gescheite Thermik einsetzt, die uns trägt. Und ich würde sagen, es ist fast so weit. Also hoffen wir mal, dass wir gleich zu viert in der Luft sind. Miguel geht’s auch wieder gut, nachdem er gestern unbedingt mal ausprobieren wollte, wie es ist, in der Dämmerung mit Sonnenbrille fliegen zu wollen. Dass man dann mal schnell eine Telefonleitung übersieht, einen 180° Backflash hinlegen muss und so dicht überm Grund dann auch noch mal gerade eben ne Mauer toucht , weiß er jetzt auch. Aber Finger und Knie sind soweit wieder in Ordnung. Er habe viel gelernt, sagte er. Das Aha-Erlebnis war ohnehin, als er die Sonnenbrille nach der Landung (oder sagen wir, dem Crash) absetzte und erst dann seinen „big mistake“ feststellte.

Also denn, auf bald mal wieder.

So, eine kleine Anekdote zum Schluss…

Von Bo haben wir ja schon erzählt. Längst säße er wieder in Irland an seinem Schreibtisch wenn da nicht auf Island mal wieder so ein Vulkan ausgebrochen wäre und der Luftraum über Irland jeden Tag aufs Neue gesperrt würde. Es macht echt Spaß ihn jeden Morgen auf dem Startplatz zu treffen, vor Freude strahlend: „My flight has been canceled again”. In diesem Sinne hoffen wir für ihn dass der Nordwestwind noch etwas länger anhält und wir hier noch eine gemeinsame Woche verbringen.

Unser Bulli hat uns ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, dass er geschont werden will. Der staubige, steinige, steile Weg zum Startplatz in Algodonales hat ihm nicht gefallen. Darum haben wir den Luftfilter mal gereinigt (Druckluft hatten wir nicht, drum haben wir zu viert ne halbe Stunde hyperventiliert, um ihn sauberzupusten). Jetzt läuft er wieder wie am Schnürchen. Grund zur Erleichterung.

In Anbetracht des Titels wollen wir klarstellen, dass wir uns bisher erfolgreich dagegen wehren (und wehren werden), unter dem Einfluss von Genussmitteln in die Luft zu gehen. Das verträgt sich nicht mit unserer Auffassung von sportlichem Fliegen. Andere Flieger halten es damit ein wenig anders.

Wo wir grad beim Fliegen sind: Jakob ist heute seinen ersten SAT geflogen und Miguel seinen ersten Streckenflug zusammen mit David über den See nahe bei Algodonales.

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